Interview in der NGZ

"Der beste soll Bürgermeister werden"

Bijan Djir-Sarai
Bijan Djir-Sarai
13.02.2013. Der FDP-Bundestagsabgeordnete und Kreisvorsitzender Bijan Djir-Sarai schlägt der Neusser CDU eine gemeinsame Findungskommission vor.

Herr Djir-Sarai, Sie gelten als Freund von schwarz-gelben Koalitionen. Können Sie die Neusser Rathaus-Koalition von CDU und FDP retten?

Bijan Dijir-Sarai Darüber entscheiden letztlich die handelnden Personen in Neuss. Ich kann aber bestätigen, dass wir als FDP sowohl im Bundestag als auch im Kreistag mit der CDU vertrauensvoll und ergebnisorientiert zusammenarbeiten. Das wünsche ich mir auch in Neuss. Streit in der Sache, zum Wohle des Bürgers, ist ja zunächst einmal nicht negativ. Am Ende sollte aber das gute Ergebnis stehen. Ich glaube nicht, dass an den Einzelfragen wie Standort für Windkraftanlagen oder Höhe der Kita-Gebühren eine erfolgreiche Koalition als Ganzes zur Disposition steht. Ich vertraue auf die Kraft der Vernunft - bei allen Beteiligten.

Sie sind in Grevenbroich aufgewachsen. Neuss ist mit 155 000 Einwohnern die größte Stadt in ihrem Wahlkreis. Wie sieht ein aus Grevenbroich stammender Politiker die Kreisstadt Neuss?

Djir-Sarai Ich mag Neuss und die Neusser. Nicht ohne Grund habe ich mein Wahlkreis-Büro im Herzen der Stadt Neuss eröffnet. Als Gastmarschierer bei den Grenadieren möchte ich jetzt den nächsten Schritt tun und noch mehr von der Stadt kennenlernen; sie von innen heraus erleben. Darauf freue ich mich sehr.

Das hört sich schon fast nach einer Liebeserklärung an ...

Djir-Sarai Aber die Fakten belegen es doch: Neuss ist die wichtigste Stadt im Rhein-Kreis, sie ist der Motor unserer Wirtschaft. Wenn sich Neuss gut entwickelt, dann entwickelt sich der Rhein-Kreis gut. Darum kann die Kreispolitik nur an einer engen und guten Zusammenarbeit mit der Stadt Neuss interessiert sein. Wenn sich die Spitzen von Kreis und Stadt streiten, dann ist das zum Schaden aller Bürger in der Kreisgemeinschaft.

Haben Sie denn kein Verständnis dafür, dass die große, traditionsreiche Stadt Neuss selbstbewusst für Ihre Interessen eintritt?

Djir-Sarai Ich habe sogar sehr großes Verständnis dafür. Und ich gehe noch einen Schritt weiter: Neuss benötigt einen starken Bürgermeister - so wie Herbert Napp einer ist. Nun steht er aber 2015 nicht mehr als Kandidat zur Verfügung. Ich halte es für wichtig, einen überzeugenden Nachfolger zu finden, der aus der Tiefe der bürgerlichen Gesellschaft kommt. Die Antwort auf die Frage, wer diese wichtige Stadt nach 2015 führen wird, muss sehr früh und sehr systematisch vorbereitet werden. Die Antwort sollte nicht kleinen Partei-Gremien vorbehalten sein, sondern am Ende eines durchaus transparenten Prozesses mit breiter Beteiligung der Bürgerschaft stehen. Das ist eine Chance für Neuss. Darum schlage ich der Neusser CDU eine gemeinsame Findungskommission vor. Ich wünsche mir eine Persönlichkeit als Bürgermeister-Kandidat, die von CDU und FDP gemeinsam getragen wird. Wir Liberalen sind dazu bereit.

Der Neusser FDP-Chef Rainer-J. Reimann hat erklärt, die FDP werde einen eigenen Bürgermeister-Bewerber aufstellen. Pfeifen Sie ihn zurück?

Djir-Sarai Keineswegs. Gerade weil wir mit Jana Pavlik und Hermann-Josef Verfürth zwei respektable Bewerber aufbieten könnten, wird deutlich, wie wichtig uns diese Frage ist. Wir stellen nicht einfach auf, sondern wir wollen die Bestenauslese und eben nicht parteipolitische Nabelschau.

Wollen Sie der CDU Ihren Kandidaten Hermann-Josef Verfürth schmackhaft machen?

Djir-Sarai Eben nicht. Es wäre unredlich, eine Findungskommission vorzuschlagen und sich schon festgelegt zu haben, wie das Ergebnis auszusehen hat. Das tun wir nicht. Wir wollen keine Koalitionsverhandlung führen, sondern können uns auch vorstellen, dass externe Autoritäten in der Findungskommission mitwirken. Die Neusser CDU verfügt über mehrere Kandidaten, die das Bürgermeisteramt gut ausfüllen könnten. Auch wir hätten eine ganze Reihe von guten Persönlichkeiten. Am Ende sollte aber der beste Kandidat des bürgerlichen Lagers stehen. Ich kann mir auch einen Bewerber vorstellen, der nicht in einer Partei operativ tätig ist.

Sie werben also für das Modell Hans-Jürgen Petrauschke aus dem Jahr 2009?

Djir-Sarai Hans-Jürgen Petrauschke ist ein Fachmann, ein sehr guter Landrat, ein Glücksfall für den Rhein-Kreis Neuss. Darum war die Initiative der FDP richtig, ihn auch zu ihrem Landrats-Kandidaten zumachen - mit CDU-Parteibuch. Er hat im Dezember den FDP-Landesparteitag in Neuss eröffnet - als Landrat, der gemeinsam von CDU und FDP aufgestellt worden war. Er hat starken Beifall erhalten. Wir haben bewiesen, dass wir Personalentscheidungen zuverlässig mittragen.

Wollen Sie in allen Kommunen des Kreises gemeinsame Kandidaten aufstellen?

Djir-Sarai In jeder Kommune des Kreises ist die politische Lage anders. Die Kandidatenfrage müssen die handelnden Akteure vor Ort für sich entscheiden. Unter den Städten und Gemeinden ist Neuss aber ein Spezialfall. Die Stadt ist so groß und so bedeutend, da sollten wir uns sehr zielgerichtet Gedanken machen, wer ihre Geschicke in den nächsten Jahren maßgeblich bestimmt. Wir sind bereit, die oder den Besten für Neuss zu suchen, zu finden und zu unterstützen. Die Parteizugehörigkeit ist dabei zweitrangig. Unser Angebot an die Neusser CDU steht. Sie muss nur mitmachen.
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Ludger Baten führte das Gespräch
Quelle: NGZ


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